Auslandssemester als Eigen-PR?

Auslandssemester – die einen sagen es wäre eine bereichernde Erfahrung, persönlich und für den Lebenslauf, andere behaupten es würde sich bloß um sechs Monate organisiertes Feiern und Zeitverschwendung handeln. Ob ein Auslandssemester sinnvoll ist muss wahrscheinlich jeder für sich selbst entscheiden, doch ich möchte in diesem Beitrag Partei für die Seite ergreifen, die jedem ein Auslandssemester ans Herz legen möchte. Als campuslerin gilt dieser Tipp insbesondere PR-Studierenden, denn man muss nicht Lehrämtler sein, um ein sinnvolles Auslandssemester zu verbringen!

 

Als ich vor knapp einem Jahr für einen Erasmus Platz an der französischen Partneruniversität unseres Instituts, der Université Jean Moulin Lyon III, angenommen wurde, stand die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches in Aussicht: In Frankreich leben, dort studieren und Freundschaften mit Menschen aus aller Welt schließen. Natürlich kann ich zu dem Thema „Auslandssemester im Lebenslauf“ keine Tipps aus Sicht eines Arbeitgebers geben. Doch heute, nach über fünf Monaten in Lyon, kann ich Bilanz ziehen und ein paar Argumente nennen, warum ein Auslandssemester meiner Meinung nach nicht nur eine persönliche Bereicherung ist, sondern auch im Lebenslauf gut dastehen sollte. 


Zum einen wäre da die Fähigkeit, die man sich von Anfang an gezwungenermaßen aneignen muss: mit Bürokratie zurechtkommen. Schon bevor das Semester startet wird man mit einem zunächst entmutigenden bürokratischen Aufwand und stapelweise Dokumenten belagert. Wer da nicht den Überblick behält, sich an Deadlines hält, organisiert an die Sache herangeht, hartnäckig bleibt, die Initiative ergreift Fragen zu stellen und zu Terminen erscheint, hat verloren. All das gilt auch für die Arbeitswelt. 

 

Eine ganz offensichtliche Fähigkeit, die wahrscheinlich für die meisten Erasmus Studenten im Vordergrund steht, ist die sprachliche Kompetenz, die im Auslandssemester erlangt wird. Natürlich ist es sinnvoll, wenn ein Französisch-Lehramt Student nach Frankreich geht. Aber auch ein KoWi-Student kann sich mit Fremdsprachen, gerade in der Arbeitswelt der PR, Türen öffnen. Neben der Landessprache wird unter Internationals meiner Erfahrung nach auch sehr viel Englisch gesprochen – zwei Fliegen mit einer Klappe! Im internationalen Freundeskreis gibt es außerdem viele weitere Möglichkeiten, entspannt und ohne Druck sein Vokabular zu erweitern. Mal wieder Lust das alte Schul-Spanisch aufzupolieren? Ein Spanier wird sich schon finden lassen. Bis auf „Spaghetti“ noch nie ein Wort Italienisch gesprochen? Das lässt sich ändern, und zwar fernab von Niveau-betitelten Sprachkursen.

Im Auslandssemester knüpft man außerdem viele Kontakte, die es sicherlich zu pflegen lohnt. Denn auch private Kontakte können sehr hilfreich sein, wenn man sich vorstellen kann, nach dem Studium für einige Zeit im Ausland zu arbeiten.

 

Selbst wer später vielleicht nicht direkt im Ausland arbeiten möchte, dafür aber in einem international agierenden Unternehmen oder einer Agentur – was in der PR-Welt schließlich nicht selten ist – kann von interkulturellen Kompetenzen profitieren. Auf dieser Welt ticken nicht alle gleich und das ist auch gut so. Umso besser, wenn man das schon abseits von der Arbeitswelt feststellen konnte und später keine Schwierigkeiten mehr hat, sich in andere Denkmuster und Kollegen mit kulturell bedingt unterschiedlichen Sichtweisen hineinzuversetzen.


Dass der Spaß in so einem Semester nicht zu kurz kommt und die Liste der persönlichen Vorzüge eines Auslandssemesters noch viel länger ist, versteht sich von selbst. Warum also nicht das Erfreuliche mit dem Nützlichen verbinden und ein paar Monate des Studiums für einen Blick über den Tellerrand nutzen?

Geschrieben von Sabine, 5. Semester KoWi, 

22 Jahre, Hamburger Deern, die den Heimathafen verließ.

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